Roman(D)

Der Roman ist inzwischen “zu Ende geschrieben” und umfasst ca. 270 Word-Seiten. Momentan überarbeite ich alles nochmals von vorn und versuche eine runde Sache draus zu machen.

Ich veröffentliche hier jetzt mal 2 Passagen, die ich irgendwo rausgeife, als Leseproben.

Ich freue mich über Feedback dazu . :)

Leseprobe 1:

Das Antlitz der Droon-Basis von innen erinnert zunächst mehr an eine Abstellkammer, als an einen Stützpunkt.

Meling ist sich sicher: „Hier gibt’s nichts. Zeitverschwendung.“

Ramirez teilt ausnahmsweise das Gefühl der Sicherheit „Aber doch.“, äußert es aber natürlich nicht.

„Sieht aus, als hätten die den Untergang der Dayigons nochmal ordentlich zelebriert, alles demoliert und wären dann verduftet.“ Mit dieser Vermutung hat Meling nicht ganz unrecht, dafür, dass die Anlage erst einige Monate leer steht, ist es ausgesprochen zugemüllt. Herumliegende Teile von Rüstungen, Kleiderfetzen, zerbrochene Lampen, umgerissene Computertürme zeugen von exzessiven Schlussminuten der Grünlinge.

„Komm, wir gehen wieder. Hör auf, da ‘rumzustöbern, du Idiot!“, fordert Meling ungeduldig.

Ramirez steigt jedoch gerade im Geröll herum und auf eines der zugeschütteten Pulte zu. Er macht etwas Platz. Grelle, bläulich glühende Röhrenlämpchen schimmern auf, als er einen Regler nach oben schiebt. Der Raum erhellt sich.

Er dreht sich um, sein Blick geht an Meling vorbei zur hinteren Wand des Raumes und fällt auf ein flackerndes Schild mit der Aufschrift „Sub Level“.

Als auch Meling das gelesen hat – denn lesen kann sie durchaus -, wendet sie sich unzufrieden zu Ramirez um. Er geht wortlos und gesenkten Hauptes an ihr vorüber. Beide wissen ohnehin gerade, was der jeweils andere denkt, sie müssen nichts sagen, sich nicht ansehen. Blindes Verständnis, auf eine Weise.

Indem er einige leere Metallboxen beiseite schiebt, legt Ramirez eine Fahrstuhldoppeltür frei, die sich auf das Betätigen einer Taste hin flink und geschmeidig öffnet. Er begibt sich hinein, dreht sich zur Tür um, lässt den Blick weiterhin auf dem Boden verweilen.

Meling kann sich ein Zucken in ihrem Gesicht und diverse abfällige Gedanken nicht verkneifen, als sie sich neben ihn stellt.
Es ist offensichtlich, dass sie aus irgendeinem Grund unzufrieden ist und sie lässt diese Unzufriedenheit offen an ihrem mehr oder minder wehrlosen Partner aus. Es wäre kein Problem für sie, Ramirez die Rückkehr zu befehlen und dann zu behaupten, sie hätten nichts gefunden. Jedoch sieht sie davon ab, da etwas tief in ihr sich doch an den Hauch von Sinn klammert, den ihr dieser Auftrag verleiht.

Der Aufzug setzt sich in Bewegung. Ramirez grübelt über seine fehlenden Kompetenzen nach, ob er sein Verhalten ändern könnte, wenn er sich nur mehr anstrengte, warum nun unbedingt ihm eine solche Misere widerfahren müsse, wo er sich doch stets strebsam und vornehm benommen hatte. Autoritäten waren für ihn zwar in Frage zu stellen, nie aber hatte er energisch wider sie gestritten. Wie also kann er sich mit Schuld beladen, wie kann er diesen verkrüppelten, antisozialen Geist verdient haben. Die Götter, die ihm bisher aufgezeigt wurden, wären einen blasphemischen Ausruf nicht einmal wert gewesen, wo ist also nach den Gründen zu suchen. Unauffällig nach links schielend, überlegt er, ob wohl Melings Rüstung an ihre Oberweite angepasst wurde oder anders herum. Ob die ausgewogene runde Form des Metalls an seinen fleischigen Inhalt angeglichen wurde oder ob dieser in Wirklichkeit schlaff herunter baumelt und von den Metallkörbchen nach oben gezwungen und zusammen geknautscht wird. Im nächsten Moment jedoch, als er sich seiner Gedanken gewahr wird, gebietet er sich, diese abzustellen, besinnt sich nach vorn, auf das Grau der Türen. Und wozu legt man eigentlich Räumlichkeiten dieser Art so tief unter die Erde?

Meling macht sich indessen nicht sonderlich gut im Schauspiel, man erfährt ihre Empfindungen auch ohne ihre Gedanken zu kennen. Werfe man nur einen Blick auf die Barriere aus Armen, die sie vor ihre Brust setzt, was so viel heißt wie: Ich bin jetzt so lange eingeschnappt, bis ich einen neuen Grund finde, auf dir ‘rumzuhacken und Rache zu üben. In Erwartung dieser, versucht Ramirez einen Kontra-Satz zu kreieren und auswendig zu lernen, den er im Bedarfsfall dann nur noch abrufen muss. Beide schmieden sie eifrigst Pläne.

In Erwartung von etwas, erwartet einen in der Regel das, was man nicht erwartet.

Als sich die Aufzugstüren öffnen, vermischt sich der Dunst den den blauen Lampen erhellen, mit einem roten Sensorflackern, Eine Salve durchschneidet die Luft, dringt in die Aufzugkammer, findet den Weg genau zwischen Meling und Ramirez, detoniert an der Rückwand und schleudert die beiden jeweils in den linken und rechten Gang, außerhalb des Fahrstuhls.

Geradeaus der in der Dunkelheit: der schwer auszumachende Gegner.

Nachdem sie sich aufgesetzt haben, kriechen die beiden Überrumpelten schnellstmöglich aus der Schussbahn, lehnen sich mit dem Rücken an die Wand frontal vor ihnen. Weitere Salven schnellen gegenüber ans Metall, hinterlassen schwarze, dampfende Dellen. Ein paar treffen die sich schließenden Aufzugtüren. Meling mustert mit panischem Blick die Einschüsse. Stille. Nur das Hin-und Hersurren des Sensors ist zu hören.

„Wo reitest du uns rein?!“, keift Meling zunächst, hat aber dann doch zu viel Angst, als dass sie es dabei belassen möchte und fügt hinzu: „Was ist das!?“

Ramirez gibt sich verhältnismäßig unbeeindruckt: „Was das ist?“.

„Das ist dein Gebiet!“, faucht Meling zurück.

„Ich konnte nichts sehen, es war zu weit weg.“

„Dann sieh nach!“

Kurzes Schweigen, dann lugt Ramirez um die Ecke, nach hinten, in den dunklen Gang.

„Ein Cyborg.“

„Was!?“

„Eine Art Roboter mit droonschen Anteilen.“

„Und was machen wir dagegen?“ Man kann deutlich ihre Angst hören.

„Ihm das Haupt abschlagen, würde ich mal schätzen.“

„Das soll gehen!? Du kleiner Wahnsinniger!“

„Der Krieg der Droons gegen uns hat begonnen. Hier bekommen wir einen winzigen Hauch von einem Vorgeschmack, was uns bevorsteht, und welche Chancen wir uns ausrechnen dürfen.“ Aus irgendeinem Grund, den er selbst nicht genau ausmachen kann, genießt er was er sagt. Er blickt nach rechts: ein paar Meter weiter, wo Meling an der Wand hockt, ist eine Tür zu sehen. Im Gegensatz zu seiner Seite des Ganges, die abrupt abbricht und in einer Sackgasse endet.

„Du könntest da durch die Tür gehen und schauen, ob man sich von hinten an ihn heranschleichen kann.“

„Ranschleichen? Arschkind! Und wenn er sich umdreht!?“

„Es ist nur ein Torso.“

„Wie meinst du das?“

„Er hat keine Beine. Es ist ein Torso, der an einer Kiste lehnt und eine Waffe hält.“

„Komm doch rüber, mach du es!“ Ihre Stimme verrät inzwischen sogar etwas Verzweiflung.

„Wie verlockend. Das wäre es für mich. Du hast gesehen, wie schnell er ist. Würde ich versuchen, die Lücke zu überspringen, würde ich in Einzelteilen vor deinen Füßen landen.“, sagt Ramirez vor sich hin, während er die gegenüberliegenden Einschussstellen anstarrt.

Meling wird sich jetzt erst der Situation und auch ihrer körperlichen Fähigkeiten wieder gewahr, hat den ersten Schrecken verdaut und das Gefühl, dass das Überwinden dieses Gegners realistisch ist. Sofort ist sie wieder bedacht darauf, die Kontrolle über die Konversation zu übernehmen. „Na fein.“ Ihr Strategieschmiedeapparat erhebt sich von neuem.

„Ich suche also einen Weg durch diese Tür, hinter dieses Ding. Bilde dir ja nichts auf die Idee ein. Wenn ich hinten bin, gebe ich dir ein Zeichen, ich werfe irgendwas nach vorn durch den Gang, wird sich schon was finden, hier ist ja alles voller Unrat. Wenn du das Zeichen siehst, hörst, wie auch immer, dann krachst du dein Schwert so hart du kannst gegen die Ecke, an der du sitzt. Das lenkt seine Aufmerksamkeit nach vorn und ich kann ihm von der Seite meine Waffe in die Kauleiste hämmern.“

Sie verzichtet auf eine Bestätigung ob Ramirez – der weiterhin, nur inzwischen etwas apathischer, gegen die Wand starrt – das alles denn auch verstanden hat.

Die Tür macht einen schwerfälligen und massiven Eindruck, fügt sich nahtlos in die monotone Gestaltung der Basis ein. Meling schiebt den Hebel, der wohl allem Anschein nach dem Öffnen dient, nach links, es gibt einen Ruck, allerdings ist die Tür nicht offen. Sie stemmt sich dagegen, aber es rührt sich nichts. Fast wäre Ramirez, der die Szenerie aus dem Augenwinkel betrachtet, ein kleines, schadenfrohes Lächeln über die Lippen gekommen.

Die Tür fällt erst auf, als Meling sich etwas Anlauf genehmigt und mit beiden Füßen voran dagegen springt.

Der dahinter liegende Raum erfüllt sich mit aufgewirbeltem Staub, der den Schein der blauen Lampen trägt. Meling verschwindet darin, ohne noch einen Blick an Ramirez zu verschwenden. Er ist nicht so recht schlüssig darin, ob ihm die eingetretene Ruhe angenehm ist oder nicht. Mit Meling fühlt er sich bedrückt, ohne sie erfasst ihn augenblicklich die Sehnsucht, die jedoch eher eine generelle als eine persönliche ist. Die Bedrohung hinter ihm gerät, gerade auch unter der nachlassenden Aktivität des Sensors, in Vergessenheit.

Ramirez nimmt, da er sich unbeobachtet fühlt und niemand da ist, der es als Schwäche deuten könnte, die Embryonalstellung ein. Er zieht die Beine an, umschließt sie mit den Armen und legt die Stirn auf seinen Knien ab. Eigentlich ein guter Moment, um still und heimlich zu entschlafen. Niemandem ist gerade Lebewohl zu sagen, nichts ist bedeutungsvoll.

Leseprobe 2:

In den blutdurchfluteten Straßen Hedons ward ein schwarzer Engel geboren. Die Mutter wusste keinen besseren Schutz, als ihren Körper den gierigen, pulsierenden Organen der Droons anzubieten. Der Vater muss wohl, zieht man eine unbefleckte Empfängnis nicht in betracht, einer dieser Freier gewesen sein.
Der einzige, sinnvolle Aufenthaltsplatz während die Mutter arbeitete war im Zelt, unter dem Bett. Draußen wäre das Engelchen zerfleischt worden und die Mutter wollte auch nicht, dass es in einer Ecke des Zeltes saß und das Treiben mit ansehen musste. Also gab sie meist mehrmals täglich die Anweisung, dass es sich unter das Bett verkriechen und die Hände so fest wie es konnte auf die Ohren pressen sollte.

Natürlich nahm das Engelchen trotzdem noch Laute wahr, welche mit der Zeit immer gewohnter wurden. Irgendwann begann es dann auch neugierig zu werden, ließ die Ohren offen und lauschte dem was über ihm vor sich ging. Es lernte zu unterscheiden, ob seine Mutter Freude empfand oder ob die Arbeit mal wieder mehr in vergewaltigt werden ausartete. Trotz allem fehlte ihm ein visueller Eindruck von dem Geschehen. Einen körperlichen hatte es einmal mehr oder weniger bekommen, als ein Feier anscheinend so fett war, dass es die Matratze so durchbog, dass das Engelchen mit jedem Stoß in den Dreck gepresst wurde.
Neben dem Brufsalltag der Mutter gab es noch etwas anderes von dem es fasziniert war. Eines der wenigen Besitztümer, welches man in ihrem spärlich eingerichteten, zerfledderten Zelt aus vergilbtem, grobmaschigem Stoff vorfinden konnte, war ein altes Buch, in dessen Traumwelten sich das Engelchen nur zu gern entführen ließ. Es hatte einen schon recht beschädigten Leineneinband und auf der Vorderseite zahlreiche Vertiefungen welche wohl einmal eine aufwändige Prägung gewesen sein mussten.

An einigen Stellen sah man noch Reste von dem größtenteils abgebröckelten Gold. Der Titel „Stadt der schwarzen Engel“ war mit einer feingliedrigen, verschnörkelten Schrift hineingepresst. Der Buchblock war offenbar mehrmals nass geworden, die Seiten aus diesem Grund wellig und mit Flecken übersät. Trotz all der Beschädigungen, vermochten es die zahlreichen, monochrom gehaltenen Illustrationen immer wieder aufs Neue, das Engelchen zu verzaubern. Es gab nur wenig Text, den seine Mutter nicht lesen konnte, weil sie es nicht gelernt hatte.

Die Bilder erzählten eine Geschichte von einem Dominator, der sich als junger Spund auf machte, das Universum zu sehen. Er trug den Namen Tendom und war von hitzig leidenschaftlichem Gemüt. Er schlief wenn er müde war, aß wenn er hungrig war, streckte nieder wen es nieder zu strecken gab, fickte wenn er geil war und fickte vor allem wen er geil fand. Seine Unwiderstehlichkeit öffnete ihm viele Türen und Kellerfenster.
Die Illustrationen stellten Tendom als einen dunkel gewandeten, groß gewachsenen Mann dar, mit prächtigen Schwingen und einem kräftigen Schwanz.
Nach vielen Seiten auf denen sein zügelloses Treiben beschrieben bzw. gezeigt wurde, verschlug ihn seine Reise auf den Planeten Lisarya. Er fand das Dorf, welches ausschließlich die Gefährten seiner Rasse bevölkerten.

Für das schwarze Engelchen war dies immer der spannendste aber auch enttäuschendste Teil. Denn gerade dann, wenn Tendom das Dorf betrat, hörte das Buch auf – die restlichen Seiten fehlten.
Das Engelchen war sich jedoch sicher: Im schwebenden Dorf der Dominatoren würden Tendoms sinnliche Erfahrungen und seine Destruktion ein ungeahntes Ausmaß erlangen.
Und es kam, dass das Engelchen so angetan war vom Leben seines großen Vorbildes, dass es sich schnell in den Kopf gesetzt hatte, dass es, wenn es einmal größer wäre, es ihm gleich tun würde.

Im Laufe der Jahre wurde es mutiger und wagte sich hinaus, Hedon zu erkunden. Nicht selten passierte es, dass gierige, grüne Klauen versuchten, es zu packen. Deswegen musste es sehr auf der Hut sein und mit voll geschärften Sinnen umherstromern. Kam es zu einem Angriff, breitete es rasch seine dunklen Schwingen aus und schwang sich empor.
So kam niemand in seine Nähe.

Am liebsten mochte es das Engelchen, von Dach zu Dach zu flattern und dem brutalen Treiben auf den Straßen und in den Gassen zuzuschauen. Droons, die sich gegenseitig erschießen, zerhacken, verspeisen. Das Engelchen beäugte die Geschehnisse mit einer gewissen Faszination.
Einmal kam es, dass es im Gleitflug unterwegs war und den Blick nach unten gerichtet hatte.
Ein schneidender Ton in der Luft riss seine Aufmerksamkeit nach vorn. Und ehe es wirklich begriffen hatte, dass ein Metallteil, dass so groß war wie das Engelchen selbst, angeflogen kam, wurde es erfasst und fand sich kurz darauf mit halbem Bewusstsein im Sturzflug wieder.
Der Aufprall erschien ihm unerwartet sanft.
Auf Hedon gab es keinerlei sanitäre Anlagen. Manche Leute verrichteten ihre Notdurft einfach gerade da, wo es ihnen danach drängte. Andere machten sich noch die Mühe, die Häufen zumindest ein wenig zu verscharren. Und dann gab es Gemeinschaften, welche große Sammelbecken errichtet hatten, um dort die anfallenden Exkremente und damit auch den Gestank zu konzentrieren.
Kurz nach dem Einschlag, fand sich das Engelchen in einer schwarzen Masse wieder, konnte nichts sehen. Nach einigen hektischen Bewegungen hatte es seinen Kopf an die Oberfläche gebracht und stellte ein wenig verwundert fest, dass es sich in einem der Scheißebecken befand.
Es hatte sich nicht unbedingt vorgestellt, Tendoms Abenteuertum auf diese Weise nachzuleben.
Als es mehr damit beschäftigt war, wütend über sich selbst zu sein, wie dämlich es war, als Angst zu haben, dass es hier sterben würde, erschien ein Schatten über ihm, ergriff es und zog es mit wilden, ruckartigen Flügelschlägen aus dem Kot. Es wurde hoch in die Luft getragen und über einem von Moos bewucherten, flachen Hausdach fallen gelassen, so dass es einen Purzelbaum schlug.
Ein wenig angewidert begutachtete es sein Fell.
Als es aufblickte, stellte es fest, dass sein Retter ein Dominator war. Bis auf seine Mutter hatte es noch keinen Genossen seiner Rasse von so nah gesehen.

Groß war er und strotze vor Kraft. War es etwa der Fleisch gewordene Traum des Engelchens: Tendom?
Er kam näher und machte sich an seiner Hose zu schaffen.
Nur noch wenige Schritte entfernt, entblößte er ein erigiertes Genital.
Das Engelchen war zwar unter dem Bett der Mutter von vielen Penissen nur wenige Zentimeter entfernt gewesen, jedoch hatte es nie einen zu Gesicht bekommen.
Nur einmal hatte es den Kadaver eines Droons inspiziert und mit einem Stöckchen an dessen schlaffem Fallus herumgepiekst.
Der Tendom-Verschnitt packte das Engelchen mit der Selbstverständlichkeit, mit der er auch ein Besitztum gepackt hätte. Er schaute aufmerksam in das blasse, schmerzverzerrte Gesicht, als er zwischen die schmalen Schenkel vordrang, ergriff das Engelchen an seinem blauen Schopf und riss seinen Kopf nach unten.
Es dachte an seine Mutter. So sah wohl ihr Arbeitsalltag aus. Es konnte sich Schlimmeres vorstellen. Als es die Phase überwunden hatte, in der der Instinkt vorherrscht, sich wehren zu müssen, kam eine Phase, in der seine Lider ganz heftig aufeinander schlugen und der kleine, schwitzende Körper sich auf dem kalten Steinboden des Daches wand. In einer Art Delirium schien es die gewohnte Welt zu verlassen.

Das Engelchen erzählte der Mutter nichts von den Geschehenissen, aber sie spürte, dass etwas anders war. In der folgenden Zeit bedrängte sie ihr Kind mehr und mehr, sich am Unterhalt zu beteiligen.
Da das Engelchen wusste, was das bedeuten würde, entschloss es sich, die geschäftige Mutter zu verlassen. Es konnte sich nicht vorstellen, wahllos jeden dahergelaufenen Droon über sich gleiten zu lassen.

Bei einer günstigen Gelegenheit schlich es sich auf einen Raumkreuzer und begab sich – „Die Stadt der schwarzen Engel“ als einziges Gepäckstück – auf die Fährte Tendoms.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>